Mikrobiom-Signatur von Hundertjährigen
ENCentenarian microbiome signature
Geprüft von Maurice Lichtenberg
Mehrere Studien zu extremer Langlebigkeit — insbesondere die von Biagi und Franceschi geleitete italienische Gruppe, die Semi-Superzentenare (105–109 Jahre) analysierte, sowie Sato und Kollegen bei japanischen Hundertjährigen — haben Mikrobiota-Merkmale identifiziert, die langlebige Personen von jüngeren oder älteren Kontrollpersonen unterscheiden. Konsistente Befunde umfassen eine relativ hohe Alpha-Diversität bis ins extreme Alter, eine Anreicherung von Christensenellaceae und Akkermansia muciniphila sowie ein charakteristisches sekundäres Gallensäureprofil mit erhöhten Konzentrationen von Isoallo-Lithocholsäure (Isoallo-LCA), produziert von Mitgliedern der Familie Odoribacteraceae, welche potent regulatorische T-Zellen induziert und systemische Entzündung dämpfen kann. Ob diese Signaturen kausale Beiträge zur Langlebigkeit sind, Begleiteffekte spezifischer Ernährung oder Genetik in langlebigen Populationen darstellen oder auf Überlebens-Bias zurückgehen — Personen, die 100+ Jahre erreichen, haben mutmaßlich bereits die Erkrankungen überstanden, die andere früher töten — lässt sich aus Querschnittsdaten nicht bestimmen. Die Befunde sind faszinierend und weisen auf Gallensäure-Mikrobiota-Crosstalk und Immunregulation als Langlebigkeits-assoziierte Wege hin, sollten aber noch nicht als handlungsleitende Ziele für die Allgemeinbevölkerung interpretiert werden.
