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Umwelt & Exposom

Endokrine Disruptoren (BPA, Phthalate)

ENEndocrine disruptors (BPA, phthalates)

Geprüft von

Endokrin-wirksame Substanzen (EDC) sind körperfremde Verbindungen, die in Hormonsynthese, -transport, Rezeptorbindung oder -metabolismus eingreifen. Bisphenol A (BPA) und strukturverwandte Analoga (BPS, BPF) wirken vorrangig als Agonisten oder Antagonisten an Östrogenrezeptoren (ERα, ERβ) und interagieren auch mit Androgen- und Schilddrüsenhormonsignalwegen; Phthalate — weitverbreitete Weichmacher in Lebensmittelverpackungen, Medizinprodukten und Kosmetika — hemmen steroidogene Enzyme und senken so die Androgenbiosynthese. Epidemiologisch werden Assoziationen mit früherer Pubertät, verminderter Spermienqualität, polyzystischem Ovarsyndrom, Typ-2-Diabetes und Adipositas beschrieben, wobei die Kausalitätsfeststellung durch ubiquitäre Koexposition und die für viele EDC charakteristischen nicht-monotonen Dosis-Wirkungs-Kurven erschwert wird. Die EU hat BPA aus Polycarbonat-Babyflaschen verboten (2011) und schränkt es unter laufenden Regulierungsmaßnahmen schrittweise auch in anderen Lebensmittelkontaktmaterialien ein; zudem gilt ein gruppenspezifischer TDI-Wert für Phthalate, doch die Schwellenwerte bleiben umstritten; eine standardisierte kumulative Risikoabschätzung für Gemische ist in den meisten Rechtssystemen noch nicht etabliert.

Quellen

  1. Gore AC, Chappell VA, Fenton SE, Flaws JA, Nadal A, Prins GS, Toppari J, Zoeller RT. (2015). EDC-2: The Endocrine Society's Second Scientific Statement on Endocrine-Disrupting Chemicals. *Endocrine Reviews*doi:10.1210/er.2015-1010