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Konzepte & Theorien

Lebenstempo-Theorie

ENRate of living theory

Die Lebenstempo-Theorie postuliert eine umgekehrt proportionale Beziehung zwischen der körpermassenbezogenen Stoffwechselrate und der Lebensspanne: Je schneller Energie verbraucht wird, desto früher stirbt der Organismus. Max Rubner formulierte die Idee 1908 durch den Vergleich von fünf Haussäugetieren (Meerschweinchen, Katze, Hund, Rind und Pferd) und zeigte, dass der Gesamtenergieumsatz pro Körpermasseeinheit annähernd konstant ist; Raymond Pearl prägte 1928 in The Rate of Living den Begriff und belegte an Drosophila, dass niedrigere Temperaturen das Überleben verlängern. Mechanistische Plausibilität erhielt die Theorie, als Denham Harman 1956 die Freie-Radikal-Theorie des Alterns vorschlug und mitochondriale Atmung mit kumulativem oxidativem Schaden verknüpfte. Widersprechende Befunde häuften sich: Vögel und Fledermäuse leben erheblich länger als gleichgroße, nicht fliegende Säugetiere trotz vergleichbarer oder höherer Stoffwechselraten — ein Muster, das Munshi-South und Wilkinson (2010) darstellten. Hulbert et al. (2007) führten dies unter anderem auf stärkere mitochondriale Antioxidans-Abwehr und geringere Peroxidierbarkeit der Membranlipide in längerlebigen Linien zurück. Speakman (2005) zeigte, dass nach Kontrolle von Körpergrößeneffekten der residuale tägliche Energieumsatz bei Säugetieren negativ mit der maximalen Lebensspanne korreliert, bei Vögeln jedoch nicht, und schlussfolgerte, dass interspezifische Vergleiche durch Unterschiede in oxidativer Schutz- und Reparaturkapazität verzerrt werden. Die vereinfachte Theorie gilt als abgelöst, bleibt aber historisch grundlegend.

Quellen

  1. Speakman JR. (2005). Body size, energy metabolism and lifespan. *Journal of Experimental Biology*doi:10.1242/jeb.01556
  2. Hulbert AJ, Pamplona R, Buffenstein R, Buttemer WA. (2007). Life and death: metabolic rate, membrane composition, and life span of animals. *Physiological Reviews*doi:10.1152/physrev.00047.2006
  3. Munshi-South J, Wilkinson GS. (2010). Bats and birds: Exceptional longevity despite high metabolic rates. *Ageing Research Reviews*doi:10.1016/j.arr.2009.07.006