Selbstzahler-Longevity in Deutschland
Was die Kasse zahlt, was du selbst zahlst und wofür sich das Geld lohnt
Aktualisiert am 19 Min. Lesezeit59 Quellen
Kurz erklärt
Stellst du dir einen Longevity-Check-up in Deutschland selbst zusammen, geht es bei rund 150 € für ein Blutbild los. Als Paket in einer Longevity-Klinik kostet er meist 1.500 bis 5.000 € (Stand: Oktober 2026). Die gesetzliche Krankenkasse zahlt davon fast nichts, im Wesentlichen den Check-up 35 alle drei Jahre, die Krebsfrüherkennung und Tests mit medizinischem Grund.[14] Für die meisten reichen gezielte Blutwerte, ein Fitnesstest und ein Wearable für rund 500 bis 1.000 € im Jahr. Das teure Ganzkörper-MRT hat bei Menschen ohne Beschwerden oder Risikofaktoren dagegen keinen Nutzenbeleg,[13] und Röntgen-Checks wie DXA oder Calcium-Score sind ohne medizinischen Grund gar nicht zulässig.[30, 33]
Diese Inhalte dienen ausschließlich Bildungszwecken und stellen keine medizinische Beratung dar. Konsultiere immer einen qualifizierten Arzt, bevor du Änderungen an deiner Ernährung, deinem Trainingsprogramm oder deiner Nahrungsergänzung vornimmst.
Was zahlt die Krankenkasse (GKV) bei Longevity wirklich?
Die gesetzliche Krankenkasse zahlt Basis-Früherkennung wie den Check-up 35, die Krebsfrüherkennung und Impfungen. Tests und Medikamente zahlt sie, wenn es einen medizinischen Grund dafür gibt, Longevity-Extras ohne einen solchen Grund dagegen nicht. Ein paar der Kassen-Checks helfen trotzdem beim Thema Longevity, und genau die solltest du kennen, bevor du eigenes Geld ausgibst. Die Leistungen rund um Longevity fallen in drei Gruppen: was dir ohnehin zusteht, was es bei klarem Grund gibt und was du selbst zahlst.
Vorsorge, die dir zusteht
- Gesundheitsuntersuchung (Check-up 35) ab 35 alle 3 Jahre: ein Gespräch über deine Krankengeschichte, Blutdruck, Blutfettwerte (Gesamtcholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride), Nüchternzucker, ein Urin-Streifentest und einmalig ein Test auf Hepatitis B und C. Zwischen 18 und 34 gibt es einen Check-up, Blutwerte aber nur bei Risikofaktoren.[14, 26] Nicht dabei sind ApoB und Lp(a), zwei weitere Blutfettwerte, und der Langzeit-Blutzucker HbA1c. Details stehen im Check-up-35-Ratgeber.
- Hautkrebs-Screening ab 35 alle 2 Jahre.[25]
- Darmkrebs-Früherkennung ab 50: alle 2 Jahre ein Stuhltest auf verstecktes Blut (iFOBT) oder zwei Früherkennungs-Darmspiegelungen im Abstand von 10 Jahren. Seit 1. April 2025 gilt das für Frauen und Männer gleich. Beschlossen hat das der Gemeinsame Bundesausschuss (G-BA), das Gremium, das den Leistungskatalog der Kassen festlegt[1]
- Brustkrebs-Screening von 50 bis 75: alle 2 Jahre eine Mammographie. Früher war mit 69 Schluss, die 70- bis 75-Jährigen sind seit 1. Juli 2024 dabei.[24, 58]
- Mammographie von 45 bis 49: noch keine Kassenleistung, voraussichtlich aber ab 1. August 2027 (Stand: Oktober 2026, Details unten).[24]
- Lungenkrebs-Früherkennung von 50 bis 75: seit April 2026 alle 12 Monate ein Niedrigdosis-CT für starke Raucherinnen und Raucher (Voraussetzungen unten).[9]
- Gebärmutterhals-Screening
- Prostata-Tastuntersuchung ab 45
- Impfungen nach Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO)
Was sich bei der Vorsorge gerade ändert
Für die Mammographie ab 45 sind die meisten Schritte schon getan. Die Brustkrebs-Früherkennungs-Verordnung erlaubt das Screening in dieser Altersgruppe seit 5. März 2026.[8] Nach Beratungen seit April.[19] hat der G-BA am 15. Oktober 2026 dann die untere Altersgrenze auf 45 Jahre gesenkt[24] Diesen Beschluss prüft jetzt noch das Bundesgesundheitsministerium. Beanstandet es ihn nicht, wird das Screening für Frauen von 45 bis 49 ab 1. August 2027 zur Kassenleistung, und du kannst dich dann selbst über die Zentrale Stelle deines Bundeslands anmelden. Persönliche Einladungen kommen voraussichtlich ab Januar 2028.[24]
Die Lungenkrebs-Früherkennung ist schon gestartet, allerdings nur für aktive und ehemalige starke Raucherinnen und Raucher. Dafür brauchst du mindestens 25 Raucherjahre und mindestens 15 Packungsjahre, wobei ein Packungsjahr ein Jahr lang 20 Zigaretten am Tag bedeutet. Kurze Rauchpausen zählen bei den 25 Jahren mit. Hast du aber zehn Jahre oder länger am Stück nicht geraucht, zählen die Raucherjahre davor nicht mehr.[9, 53]
Ob du diese Voraussetzungen erfüllst, klärt eine teilnehmende Hausärztin, ein Internist oder eine Arbeitsmedizinerin in einem Gespräch über Nutzen und Schaden. Danach bekommst du eine Überweisung in eine dafür zugelassene Radiologie, und ist der Befund unauffällig, hast du nach 12 Monaten wieder Anspruch.[9] Dieses Niedrigdosis-CT ist das einzige CT, das das Strahlenschutzrecht als Früherkennung erlaubt, und damit das einzige Screening-CT, das die Kasse zahlt.[35]
Zwei ältere Leistungen stehen dagegen auf dem Prüfstand, der Check-up und das Hautkrebs-Screening. Am 15. Oktober 2026 hat der G-BA begonnen, beide bis Ende 2027 zu überprüfen: das Hautkrebs-Screening mit Blick auf einen risikobasierten Ansatz oder einen anderen Rhythmus, den Check-up mit Blick auf einen möglichen Fokus auf Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Bis dahin gelten die heutigen Regeln (Stand: Oktober 2026).[25]
Medikamente bei klarem Grund
Sobald eine Diagnose oder ein hohes Risiko vorliegt, zahlt die Kasse auch Medikamente, die in Longevity-Gesprächen oft auftauchen:
- Blutdrucksenker bei bestätigtem Bluthochdruck
- Statine bei bestehender Herz-Kreislauf-Erkrankung oder hohem Risiko, das heißt, wenn dein Risiko für ein Herz-Kreislauf-Ereignis in 10 Jahren über 10 % liegt. Dazu kommen Sonderfälle wie die familiäre Hypercholesterinämie, ein erblich stark erhöhtes Cholesterin. Ein leicht erhöhtes Risiko allein reicht nicht.[18]
- Metformin bei Typ-2-Diabetes
- Hormonersatztherapie (HRT), wenn Wechseljahresbeschwerden eine Behandlung verlangen
- GLP-1-Medikamente wie Ozempic bei Diabetes
Was du selbst zahlst
Ohne medizinischen Grund bleibt alles, was nach Longevity-Programm klingt, an dir hängen:
- Erweiterte Longevity-Blutpanels ohne medizinischen Grund. Einzelwerte wie ApoB, Lp(a) oder Hormone zahlt die Kasse, wenn deine Ärztin einen medizinischen Grund sieht, Omega-3-Index und Mikrobiom-Analysen nicht.
- Biologische oder epigenetische Alterstests (sie lesen chemische Marker auf deiner DNA aus, die sich mit dem Alter verschieben)
- Ganzkörper-MRT als Routine-Screening
- Koronar-Calcium-Score, ein CT-Wert für Kalk in den Herzkranzgefäßen, als Vorsorge. Als reines Screening ist er nicht einmal zulässig,[33] bei Verdacht auf eine koronare Herzkrankheit gehört er dagegen zur Kassen-Untersuchung.[27]
- VO2max-Tests außerhalb einer medizinischen Indikation (etwa einer Herz- oder Lungenerkrankung). Die VO2max ist ein Maß dafür, wie viel Sauerstoff dein Körper bei hoher Belastung aufnehmen kann.
- Knochendichtemessung per Röntgen (DXA) ohne Befund. Die Kasse zahlt sie, wenn ein konkreter Befund wie ein Knochenbruch ohne passenden Unfall eine Osteoporose-Behandlung mit Medikamenten nahelegt, und später für Kontrollen unter dieser Behandlung.[29]
- CGM (Glukose-Dauermessung) ohne Diabetes
- GLP-1 zum Abnehmen ohne Diabetes, per Gesetz als Lifestyle-Arzneimittel ausgeschlossen[2]
- Longevity-Sprechstunden in Privatpraxen
- Infusionen (IV-Therapien), etwa mit Vitaminen oder NAD+
Bei allem auf dieser letzten Liste entscheidest du selbst, ob es dir das Geld wert ist, und dafür taugt der Preis allein als Maßstab wenig.
Was ein Longevity-Check-up 2026 kostet
Was die Kasse nicht zahlt, kostet grob 150 bis 450 € für ein erweitertes Longevity-Blutbild, 800 bis 2.500 € für ein Ganzkörper-MRT und 1.500 bis 5.000 € für ein Check-up-Paket in einer Longevity-Klinik (Stand: Oktober 2026). Ein Longevity-Check-up ist dabei ein Warenkorb, den jede Privatpraxis anders packt, deshalb stehen die Bausteine hier einzeln.
Die Preise sind typische Spannen aus veröffentlichten Preislisten deutscher Labore und Praxen. Sie sind mit Absicht breit, weil am unteren Ende ein günstiges Labor steht und am oberen eine Premium-Privatpraxis, für genau denselben Test. Die Spalte „Zahlt die Kasse?“ zeigt, ob und wann die GKV einspringt. „IGeL“ steht dort für Individuelle Gesundheitsleistung, also ein Angebot der Praxis, das du selbst zahlst.
Laborwerte
Bei den Laborwerten hängt die Kassenfrage meist daran, ob deine Ärztin einen medizinischen Grund dokumentiert:
| Leistung | Preisspanne (Stand: Oktober 2026) | Zahlt die Kasse? |
|---|---|---|
| Erweitertes Longevity-Blutbild (30 bis 60 Werte, nicht das klassische große Blutbild) | 150 bis 450 € | Nein, IGeL |
| ApoB, Lp(a) | 25 bis 80 € | Nur mit Indikation |
| Ausführliches Hormon-Panel | 150 bis 300 € | Nur mit Indikation |
| Omega-3-Index | 40 bis 80 € | Nein, IGeL |
| Mikrobiom-Analyse | 120 bis 500 € | Nein, IGeL |
| Epigenetischer Alterstest | 250 bis 500 € | Nein, IGeL |
| Schwermetalltest | 60 bis 250 € | Nur mit Indikation |
Quelle: Preislisten deutscher Labore und Praxen. Direkttests für zu Hause liegen unter den Praxispreisen: Ein Versandlabor verlangt etwa 124 € für einen Mikrobiom-Basistest und 66 € für einen Schwermetalltest.[51, 52]
Bildgebung und Funktionstests
Bildgebung und Funktionstests sind teurer, und bei den beiden Röntgen-Posten, der DXA-Messung (oft DEXA genannt) und dem Calcium-Score, geht es um mehr als den Preis:
| Leistung | Preisspanne (Stand: Oktober 2026) | Zahlt die Kasse? |
|---|---|---|
| DXA-Messung | 50 bis 150 € | Wenn eine Behandlungsentscheidung davon abhängt |
| Koronar-Calcium-Score | 150 bis 300 € | Nein; als reines Screening nicht zulässig (siehe unten) |
| Karotis-Intima-Media-Messung (Ultraschall der Halsschlagader-Wand) | 70 bis 180 € | Nur mit Indikation |
| Ganzkörper-MRT | 800 bis 2.500 € | Nein, als Routine-Screening |
| Kardio-MRT | 400 bis 800 € | Selten: auch mit Indikation keine Standard-Kassenleistung, vorher bei der Kasse fragen.[50] |
| Spiroergometrie (misst VO2max direkt) | 150 bis 300 € | Nur mit medizinischer Indikation |
| Ruhe-EKG und Belastungs-EKG | 50 bis 150 € | Nur mit Indikation |
Quelle: Preislisten deutscher Praxen. Das ambulante Herz-MRT steht nicht im Leistungskatalog der Kassenärzte, einige Kassen haben es aber über Sonderverträge bezahlt. Laut der Mitteilung einer Herz-MRT-Praxis hat die TK diese Verträge im Frühjahr 2026 bundesweit beendet. Seit 1. April 2026 kann die Praxis auch Barmer-Versicherte nicht mehr untersuchen. Frag also vor dem Termin bei deiner Kasse nach (Stand: Oktober 2026)[50]
Infusionen, Anwendungen und Betreuung
Infusionen, Anwendungen und Betreuung zahlst du praktisch immer selbst, und hier summieren sich die Kosten pro Sitzung oder pro Monat:
| Leistung | Preisspanne (Stand: Oktober 2026) | Zahlt die Kasse? |
|---|---|---|
| IV-Vitamin-Therapie | 60 bis 250 € pro Sitzung | Nein |
| NAD+-Infusion | 200 bis 500 € pro Sitzung | Nein |
| IHHT (Atmen von sauerstoffarmer und -reicher Luft im Wechsel) | 30 bis 80 € pro Sitzung | Nein |
| Kryotherapie-Kammer | 20 bis 50 € pro Sitzung | Nein |
| Hyperbare Sauerstofftherapie | 100 bis 300 € pro Sitzung | Nein, als Longevity-Anwendung |
| Longevity-Privatpraxis, Erstgespräch / Folgetermin | 200 bis 500 € / 100 bis 300 € | Nein |
| Longevity-Klinik, Check-up-Paket | 1.500 bis 5.000 € | Nein |
| Longevity-Coaching im Abo (mit Blutbild) | 50 bis 200 € pro Monat | Nein |
| Wearable-basiertes Programm | 20 bis 100 € pro Monat | Nein |
| Heilpraktiker-Erstanamnese | 80 bis 200 € | Nein, allenfalls über eine Zusatzversicherung |
Quelle: Preislisten deutscher Praxen und Anbieter.
Was der Preis nicht verrät
Günstig heißt nicht automatisch sinnvoll. Der IGeL-Monitor, der Selbstzahler-Leistungen unabhängig nach Nutzen und Schaden bewertet, stuft zwei günstige Posten als „tendenziell negativ“ ein: den Ultraschall der Halsschlagadern zur Schlaganfallvorsorge und das EKG zur Früherkennung ohne Beschwerden.[21, 22] Zwei weitere Posten aus dem unteren Preisbereich, die Früherkennung auf Vitamin-D-Mangel und die HbA1c-Messung zur Diabetes-Früherkennung, stuft er als „unklar“ ein.[39, 40] Am oberen Ende der Preise fehlt für das Ganzkörper-MRT bei Menschen ohne Beschwerden oder Risikofaktoren ein Nutzenbeleg.[13]
Warum DXA und Calcium-Score eine ärztliche Erlaubnis brauchen
DXA und Calcium-Score arbeiten beide mit Röntgenstrahlung, deshalb geht es bei ihnen zuerst darum, ob die Aufnahme überhaupt erlaubt ist, und erst danach ums Bezahlen. In Deutschland muss vorher eine Ärztin mit Fachkunde im Strahlenschutz feststellen, dass der Nutzen das Strahlenrisiko überwiegt. Diese Feststellung heißt rechtfertigende Indikation,[31] und ohne sie gibt es keine Aufnahme, auch nicht gegen Bezahlung.
Für die DXA hat die Strahlenschutzkommission (SSK) das ausbuchstabiert. Sie hält eine DXA ohne medizinische Indikation, etwa zur Kontrolle von Körperfett oder Muskelaufbau, für unzulässig, und eine DXA zur Osteoporose-Früherkennung ohne zusätzliche Risikofaktoren für nicht gerechtfertigt.[30] Eine DXA-Körperfettmessung „einfach zur Kontrolle“ ist also kein legitimer Selbstzahler-Kauf, auch wenn manche Praxen sie bewerben.
Einen Calcium-Score, den du nur zur Kontrolle buchst, bremst eine ähnliche Hürde. Das Strahlenschutzrecht erlaubt Röntgen-Früherkennung bei Menschen ohne Beschwerden nur in zugelassenen Programmen.[32] Das Koronar-CT gehört nicht dazu, denn das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) prüft es seit 2024 jedes Jahr und hat es bisher jedes Mal zurückgestellt.[34] Entsprechend schreibt der IGeL-Monitor, dass eine CT-Früherkennung der koronaren Herzkrankheit ohne Beschwerden oder konkreten Verdacht gesetzlich nicht zulässig ist, auch wenn manche Praxen sie anbieten.[33] Rechne also mit Fragen nach Beschwerden und Risikofaktoren und damit, ohne medizinische Fragestellung abgewiesen zu werden.
Wann die Kasse das Herz-CT zahlt
Bei Verdacht auf eine Erkrankung der Herzkranzgefäße gibt es dagegen einen legitimen Weg über die Kasse. Sie zahlt dann eine CT-Koronarangiographie (CCTA), also eine CT-Darstellung der Herzkranzgefäße, zu der auch ein Calcium-Score gehört.[27] Vorher schätzt deine Ärztin, wie wahrscheinlich eine chronische koronare Herzkrankheit (KHK) schon vor dem Test ist. Liegt diese Vortestwahrscheinlichkeit bei mindestens 15 % und besteht der Verdacht danach weiter, zahlt die Kasse die CCTA. Außerdem zahlt sie die Untersuchung, wenn sie vor einer bereits geplanten Herzoperation medizinisch notwendig ist, um eine chronische KHK auszuschließen.[27] In den Leistungskatalog aufgenommen hat der G-BA die CCTA am 18. Januar 2024,[17] abrechnen können Praxen sie seit 1. Januar 2025.[28]
Wo er medizinisch begründet ist, kann ein Calcium-Score ein unklares Herzrisiko genauer machen. Die europäische Leitlinie sagt, man kann ihn bei niedrigem oder mittlerem Risiko erwägen.[37] Das unabhängige US-Expertengremium USPSTF hält die Evidenz dagegen für unzureichend, um Nutzen und Schaden eines zusätzlichen Calcium-Scores neben der üblichen Risikoeinschätzung abzuwägen.[36] Weil sich selbst diese Fachgremien nicht einig sind, gehört die Frage in das Gespräch mit einer Ärztin, die dein gesamtes Herzrisiko kennt.
Lohnt sich PKV oder Zusatzversicherung für Longevity?
Für Longevity allein lohnt sich eine private Krankenversicherung (PKV) aus unserer Sicht meistens nicht. Ein privater Versicherer zahlt, was dein Vertrag vorsieht, also medizinisch notwendige Behandlung und die gesetzlich eingeführten Früherkennungsprogramme im vereinbarten Umfang.[15] Alles Weitere regelt der Tarif, und weil sich die Tarife stark unterscheiden, lohnt beim Vergleich der Blick auf vier Punkte:
- ob erweiterte Labordiagnostik auf ärztliche Verordnung erstattet wird
- ob und bis zu welcher Höhe Heilpraktiker-Leistungen drin sind (Heilpraktiker sind nichtärztliche Behandler)
- ob längere Vorsorgetermine bezahlt werden
- ob zusätzliche Check-ups oder Bildgebung ohne medizinischen Grund drin sind, was es nur gibt, wenn die Vorsorgeleistungen deines Tarifs sie ausdrücklich nennen
Selbst wenn dein Tarif bei allen vier Punkten großzügig ist, rechtfertigen ein paar zusätzliche Check-ups die PKV-Beiträge, die du über Jahrzehnte zahlst, aus unserer Sicht selten.
Zusatzversicherung zur GKV
Bleibst du in der GKV, deckt eine Zusatzversicherung vor allem Heilpraktiker und etwas Vorsorge ab. Dafür gibt es drei Arten von Zusatztarifen:
- Ambulante Zusatzversicherung: deckt oft Heilpraktiker und erweiterte Vorsorge
- Heilpraktiker-Zusatzversicherung: speziell für Heilpraktikerleistungen
- Vorsorge-Zusatzversicherung: erweitert die GKV-Vorsorge
Als grobe Marktspanne kosten solche Tarife 10 bis 50 € im Monat und erstatten je nach Tarif 50 bis 80 % (Stand: Oktober 2026). Oft gelten dabei Höchstbeträge, die in den ersten Jahren steigen. Der Hallesche-Tarif AE.3 zeigt, wie das aussieht. Er zahlt 50 % der Heilpraktiker-Rechnungen, im ersten Kalenderjahr bis zu einem Rechnungsbetrag von 260 €, im zweiten bis 520 € und ab dem dritten bis 780 €.[49] Auch Münchener Verein und Barmenia bieten Heilpraktiker- und ambulante Zusatztarife an, deren Prozentsatz, Höchstbeträge und Beitrag du im jeweils aktuellen Tarif nachliest.
Diese gestaffelten Höchstbeträge zeigen, warum sich der Blick ins Kleingedruckte lohnt. Prüf vor der Unterschrift vier Punkte:
- Die Wartezeit: Das Gesetz begrenzt die allgemeine Wartezeit auf drei Monate. Bis zu acht Monate gibt es nur für Posten wie Zahnbehandlung oder Psychotherapie.[59]
- Die Höchstbeträge: wie viel der Tarif pro Jahr höchstens erstattet.
- Die Ausschlüsse: welche Methoden nicht abgedeckt sind, etwa ob Bioresonanz drin ist.
- Das Labornetz: welche Labore im Netz sind.
Weil selbst ein guter Zusatztarif nur einen Teil der Heilpraktiker-Rechnungen erstattet, zahlst du den Großteil eines Longevity-Budgets weiter selbst.
In welcher Reihenfolge sich Selbstzahler-Geld lohnt
Weil du die meisten Longevity-Ausgaben selbst zahlst, lohnt sich eine feste Reihenfolge: erst alles nutzen, was die Kasse zahlt, und danach nur wenige gezielte Blutwerte, einen Fitnesstest und ein Wearable selbst bezahlen. Für die meisten kostet das rund 500 bis 1.000 € im Jahr. Ganzkörper-MRT und Röntgen-Checks ohne medizinischen Grund gehören für Menschen ohne besonderes Risiko nicht in diesen Plan.
Erst nachschlagen: der IGeL-Monitor
Bevor du irgendetwas bezahlst, schau es beim IGeL-Monitor nach. Den Dienst betreibt der Medizinische Dienst Bund, und auf igel-monitor.de findest du unabhängige Nutzen-Schaden-Bewertungen für Selbstzahler-Leistungen. Stand 18. Juni 2026 hat er 61 Leistungen bewertet: keine davon positiv, nur drei tendenziell positiv und alle übrigen unklar, tendenziell negativ oder negativ.[3]
Diese 61 Bewertungen decken längst nicht jedes gefragte Angebot ab. Die Überdruck-Sauerstofftherapie (HBOT) bei Long-COVID steht mit „unklar“ im Katalog,[54] NAD+-Infusionen, Myers-Cocktail und hochdosiertes Vitamin C als Infusion außerhalb der Krebsmedizin fehlen dagegen im A-Z-Verzeichnis.[57] Auch das Ganzkörper-MRT als Vorsorge-Screening hat dort keinen eigenen Eintrag. Ohne Eintrag fehlt eine unabhängige Bewertung, und das ist kein Hinweis auf Nutzen.
Die Reihenfolge in vier Stufen
Nach dieser Nutzenprüfung kannst du deine Ausgaben in vier Stufen ordnen, die für die meisten sinnvoll sind:
Stufe 1. Basis (kostenlos oder Kassenleistung):
- Die reguläre Kassen-Vorsorge wahrnehmen
- Knochendichte: Hast du Risikofaktoren für Osteoporose, sprich mit deiner Ärztin. Nach einem Knochenbruch ohne passenden Unfall kann die DXA dann eine Kassenleistung sein.[29]
- Nicht rauchen, wenig Alkohol
- Täglich Bewegung, 2- bis 3-mal pro Woche Krafttraining
- Kraft mit einem Handkraft-Test verfolgen. Ein Dynamometer (Handkraft-Messgerät) gibt es in vielen Studios und Praxen.
- 7 bis 8 Stunden Schlaf
Stufe 2. Kleiner Aufwand, guter Nutzen (250 bis 650 € pro Jahr, plus Wearable):
- Gezielte Blutwerte statt eines großen Jahres-Panels. Lp(a) ist weitgehend erblich, und die europäische Leitlinie empfiehlt, es mindestens einmal im Leben zu messen.[37] ApoB, die übrigen Blutfettwerte und HbA1c lohnen sich, wenn sie eine Entscheidung ändern können, etwa über ein Statin. Vitamin D ohne medizinischen Grund routinemäßig zu testen, wird nicht empfohlen,[38] und die Früherkennung auf Vitamin-D-Mangel, B12-Mangel oder Diabetes per HbA1c bewertet der IGeL-Monitor als „unklar“.[39, 40, 41] Wie oft du wiederholst, entscheidet deine Ärztin anhand der Vorwerte.
- Ein VO2max-Test alle ein bis zwei Jahre, etwa 100 bis 200 € in einer sportmedizinischen Praxis. Einen in Studien belegten Rhythmus gibt es nicht, das ist ein praktischer Vorschlag.
- Ein Wearable (Whoop, Oura, Garmin)
Stufe 3. Mittlerer Aufwand (rund 200 bis 1.000 € pro Jahr: ein Praxisbesuch, auf Wunsch plus epigenetischer Test):
- Eine Sprechstunde in einer Longevity-Praxis (Erstgespräch 200 bis 500 €)
- Calcium-Score nur, wenn deine Ärztin einen medizinischen Grund sieht und das Ergebnis eine Behandlungsentscheidung ändern würde
- Ein epigenetischer Alterstest nur aus Neugier. Forschende halten diese Uhren für nützlich bei Gruppen von Menschen, für Entscheidungen bei einer einzelnen Person aber für nicht verlässlich genug.[42] Einen empfohlenen Rhythmus gibt es nicht.
- IV-Vitamine gehören nicht in diese Stufe, denn ein nachgewiesener Mangel ist eine medizinische Indikation und gehört in ärztliche Behandlung.
Stufe 4. Experimentell und teuer, für Gesunde meist nicht lohnend (ab 1.500 € pro Jahr):
- Ganzkörper-MRT nur im Früherkennungsplan eines erblichen Krebssyndroms (siehe unten), nicht als Routine
- CGM (Glukose-Dauermessung) ohne Diabetes
- NAD+-Infusionen: experimentell. Sie haben keine Zulassung für Longevity, und die Daten am Menschen sind bisher kleine Studien zu Blutspiegeln während der Infusion, keine Gesundheitsendpunkte.[44] Der IGeL-Monitor hat sie nicht bewertet.[57]
- Off-Label-Medikamente wie Rapamycin: experimentell. Rapamycin (Sirolimus) ist verschreibungspflichtig und als Tablette (Rapamune) in der EU zur Vorbeugung der Abstoßung nach Nierentransplantation und für die seltene Lungenerkrankung LAM zugelassen.[43] Der Einsatz für Longevity ist off-label und gehört zu einer Ärztin, die dich überwacht (siehe Rapamycin-Ratgeber).
Für die meisten reichen Stufe 1 und Stufe 2, die zusammen 250 bis 650 € im Jahr kosten. Ein Abo-Wearable wie Whoop kostet 20 bis 30 € im Monat zusätzlich (240 bis 360 € im Jahr), Garmin braucht dagegen kein Abo. Mit Abo-Wearable landest du also bei rund 500 bis 1.000 € pro Jahr. Nicht eingerechnet sind der Kaufpreis des Geräts und ein Besuch aus Stufe 3, bei dem allein das Erstgespräch in einer Longevity-Praxis 200 bis 500 € kostet.
Was in welchem Jahresbudget steckt
Planst du lieber vom Budget her, findest du dieselbe Reihenfolge in der Tabelle. Jede Zeile nennt, was zur Zeile darüber dazukommt und was es einmalig oder laufend kostet:
| Jahresbudget | Was du dafür bekommst | Richtpreis |
|---|---|---|
| 0 € | Kassen-Vorsorge in Deutschland (Check-up ab 35 alle 3 Jahre.[14]), Sit-Rise-Test (vom Boden aufstehen, ohne die Hände zu benutzen), Handkraft-Selbsttest, Rockport-Gehtest (1,6 km zügig gehen, um die VO2max zu schätzen) | 0 € (Hand-Dynamometer ca. 40 € einmalig oder einfacher Quetsch-Test) |
| 200 € | Zusätzlich zur Zeile darüber: gezielte Blutwerte als IGeL (etwa ApoB, Lp(a), HbA1c), der Rest für einen Omega-3-Heimtest (getrockneter Blutstropfen), falls du einen willst | ca. 150 € + ca. 45 € |
| 500 € | Zusätzlich zur Zeile darüber: VO2max-Test in einer sportmedizinischen Praxis, Polar-H10-Brustgurt mit HRV4Training, Basis-Supplements bei dokumentiertem Bedarf (Vitamin D, Omega-3, Kreatin) | 100 bis 200 € + ca. 100 € einmalig |
| 1.500 € | Zusätzlich zur Zeile darüber: optional ein biologischer Alterstest aus Neugier[42] und ein Longevity-Arztbesuch (siehe Arzt-Weg) | ca. 500 € oder ca. 300 € + ca. 300 € |
| Ab 3.000 € | Zusätzlich zur Zeile darüber: Ganzkörper-MRT nur, wenn medizinisch indiziert (siehe Regel unten), und eine Longevity-Praxis-Mitgliedschaft (Quartalsbesuche, Labore inklusive) | 800 bis 2.500 € fürs MRT, plus Mitgliedsbeitrag |
Die kostenlose Zeile ist mehr als ein Trostpreis. In einer brasilianischen Beobachtungsstudie mit 51- bis 80-Jährigen gingen niedrige Werte im Sit-Rise-Test mit einem höheren Sterberisiko einher[7] Die Kassen-Vorsorge in dieser Zeile gilt allerdings nur für Deutschland, denn in Österreich und der Schweiz sind die kostenlosen Vorsorgeangebote anders geregelt. Frag dort bei deiner Krankenversicherung (in der Schweiz der Grundversicherung, OKP) nach, was drin ist.
Für den Alterstest in der 1.500-€-Zeile gibt es zwei verbreitete Varianten. TruDiagnostic TruAge Complete ist ein epigenetischer Test, der die DNA-Methylierung misst, und beim Bestellen kommt EU-Einfuhrumsatzsteuer dazu. GlycanAge misst dagegen Zuckerketten an deinen Antikörpern, ist also kein epigenetischer Test, und wird aus einem Labor in Zagreb innerhalb der EU verschickt.
Der Arzt-Weg
Beim Longevity-Arztbesuch aus derselben Tabellenzeile zählt die Qualifikation, vor allem wenn du Rezepte und Lifestyle-Beratung aus einer Hand willst. Rapamycin off-label, eine Hormonersatztherapie und GLP-1 bei passender Indikation sind alle verschreibungspflichtig, wobei die Kasse GLP-1 zum Abnehmen nicht zahlt.[2] Lass hier also den Heilpraktiker-Weg und geh direkt zu einer Ärztin oder einem Arzt mit Zusatzbezeichnung Naturheilverfahren oder Ernährungsmedizin. Pass bei den Bezeichnungen auf: Präventivmedizin ist nur eine curriculare Fortbildung, also ein Kurs, den man absolviert, und keine echte Zusatzbezeichnung. Wie du über die Ärztekammer oder arzt-auskunft.de suchst und wie ein typischer Erstbesuch abläuft, steht im Heilpraktiker-Longevity-Ratgeber.
Ganzkörper-MRT: nur bei echtem Hochrisiko
Ein Ganzkörper-MRT ergibt nur Sinn, wenn dein persönliches Risiko wirklich hoch ist. Das American College of Radiology (ACR), der US-Fachverband der Radiologie, findet keinen Beleg, dass ein Ganzkörper-Screening bei Menschen ohne Symptome oder Risikofaktoren das Leben verlängert.[13] Mehr zur Abwägung steht im Ganzkörper-MRT-Vorsorge-Ratgeber.
Eine Gruppe, für die es gezielt dazugehört, gibt es aber:
- Li-Fraumeni-Syndrom (eine angeborene Veränderung im TP53-Gen, meist vererbt, bei manchen neu entstanden).[45]: Ein jährliches Ganzkörper-MRT gehört zum Toronto-Protokoll, dem Früherkennungsplan für dieses Syndrom. Die Daten dazu stammen aus einer Beobachtungsstudie über elf Jahre, nicht aus einem Vergleichsversuch[4]
Zwei Fälle landen oft mit auf der Liste, brauchen aber zuerst etwas anderes:
- Eine auffällige familiäre Krebsgeschichte, etwa mehrere Verwandte mit Brust- oder Eierstockkrebs oder eine sehr junge Erkrankung: erst zur genetischen Beratung. Für Brust- und Eierstockkrebs nennt die S3-Leitlinie konkrete Kriterien für einen Gentest, etwa zwei Frauen in einer Linie der Familie mit Brustkrebs, eine davon vor dem 50. Geburtstag.[6] Ein Ganzkörper-MRT kommt nur infrage, wenn sich dabei ein Syndrom bestätigt, zu dessen Früherkennungsplan es gehört.
- Neurologische Beschwerden gehören zur Ärztin, die entscheidet, ob ein gezieltes Bild von Kopf oder Wirbelsäule nötig ist. Das zahlt dann die Kasse, ein Ganzkörper-MRT ersetzt es nicht. Plötzliche Lähmung, Taubheit, ein hängender Mundwinkel, Sprach- oder Sehstörungen sind ein Notfall: Ruf die 112.[46]
Frauen mit einer krankheitsverursachenden BRCA1/2-Variante brauchen kein Ganzkörper-MRT zur Früherkennung. Vererbte krankheitsverursachende Veränderungen in den Genen BRCA1 oder BRCA2 erhöhen das Risiko für Brust- und Eierstockkrebs. Für diese Frauen sieht die US-Leitlinie NCCN ein jährliches Brust-MRT plus Mammographie vor, die Mammographie schon ab 30, dazu Maßnahmen, die das Risiko für Eierstockkrebs senken.[5] In Deutschland läuft die intensivierte Früherkennung über die Zentren des Deutschen Konsortiums Familiärer Brust- und Eierstockkrebs: MRT und Ultraschall, dazu ab 40 alle zwei Jahre eine Mammographie. Die S3-Leitlinie will sie nur in diesem ausgewerteten Rahmen, weil ein direkter Beleg für weniger Todesfälle noch fehlt und Fehlalarme zunehmen.[6, 12]
Bei allen anderen, deren Risiko wirklich niedrig ist, sind solche Fehlalarme häufig. Ein falsch positiver Befund bedeutet Angst, Folgeuntersuchungen und manchmal einen Eingriff, den du nie gebraucht hättest, und bei niedrigem Risiko überwiegt dieser Nachteil wahrscheinlich den möglichen Nutzen.[13] Dein Geld ist aus unserer Sicht bei den Grundlagen besser angelegt, die Entscheidungen ändern: Blutdruck, Blutfette, Blutzucker, Fitness und die Kassen-Früherkennung, die dir zusteht.
Wenn du 35 oder älter bist, ist der Check-up 35 bei deiner Hausärztin ein naheliegender erster Schritt, verbunden mit der Frage, welcher zusätzliche Blutwert bei deinen Ergebnissen eine Entscheidung ändern würde.
Häufig gestellte Fragen
Was kostet ein Longevity-Check-up in Deutschland?
Zahlt die Krankenkasse einen Longevity-Coach?
Kann ein Longevity-Coach über die Krankenkasse abrechnen?
Zahlt meine Krankenkasse einen biologischen Alterstest?
Was sind die sinnvollsten Selbstzahler-Investitionen?
Zahlt die Krankenkasse ein MRT oder eine DEXA-Messung?
Zahlt die Krankenkasse ein Lungenkrebs-CT?
Lohnt sich PKV nur für Longevity?
Zahlt die Kasse Ozempic oder Wegovy für Longevity?
Gibt es eine gute Heilpraktiker-Zusatzversicherung?
Kann ich Selbstzahler-Leistungen von der Steuer absetzen?
Kann ich einen Calcium-Score oder eine DEXA einfach privat buchen?
Quellen59
- Gemeinsamer Bundesausschuss. (2025). G-BA Beschluss vom 16. Januar 2025 zur Krebsfrüherkennungs-Richtlinie (Darmkrebs-Screening ab 50, geschlechtsneutral)g-ba.de
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